An der Friedensschule in Osnabrück lernen Kinder auf der Matte nicht nur Würfe und Griffe, sondern auch Fairness, Toleranz und Mitbestimmung. Wie Sport junge Menschen zu starken Persönlichkeiten und verantwortungsvollen Demokraten macht, zeigt der SV Kompass in Osnabrück. treffpunkt verein fördert die Arbeit des Vereins im Rahmen des Ideenwettbewerbs „Gemeinsam geht besser“.
Wenn „Tori“ und „Uke“ aufeinandertreffen und es „Hajime!“ heißt, dann ist Judo angesagt. Im Kampfsport Judo sind Respekt und Fairness maßgeblich. Das haben auch die Kinder der Friedensschule in Osnabrück bereits verinnerlicht. Sie bekommen einmal pro Woche Judotraining angeboten – vom SV Kompass und ihrem Trainer Sebastian Häfker. Judo sei mit seinen Werten prädestiniert, „junge Menschen zu guten Demokraten zu erziehen“, so Häfker. Wie das?
Wenn Aram und Walid auf der Matte darum ringen, wer wen zuerst zu Boden bringt, dann sieht das erstmal nach Kampf aus. Wenn Daniella und Zeynep sich beherzt am weißen Kragen ihres „Judogi“ (Judo-Anzuges) greifen, dann hat das auf den ersten Blick etwas leicht Martialisches. Und doch geht es bei der Kampfsportart Judo um mehr als ums Gewinnen oder Verlieren.
„Wir lernen hier vor allem, wie wir fair mit unseren Gegnern umgehen und ihnen Respekt entgegen bringen“, sagt Tilo, einer der Judo-Schüler. Und wie das geht, das zeigt sich schon wenige Sekunden, nachdem das Training beginnt. Die Kinder sitzen ihrem Trainer im „Seiza“, dem Kniesitz, gegenüber und führen den „Rei“ aus – eine Verbeugung, mit der man gegenseitigen Respekt bekundet.
„Darüber hinaus ist Judo die einzige Kampfsportart, bei der man seinen Gegner zwar bezwingen, aber nicht verletzen will“, so Trainer Häfker, selbst Inhaber des schwarzen Gürtels, ehemaliger Bundesliga-Wettkämpfer und Ü40-Vizeweltmeister. Besonders schön finden es die Kinder, wenn der Sieger des Kampfes dem Unterlegenen wieder auf die Beine hilft, sich vor ihm verbeugt und die Hand reicht.
Wertevermittlung durch Judo: Trainer Sebastian Häfker
Aktuell bietet der SV Kompass zwölf Sportgruppen für Schülerinnen und Schüler in zehn Schulen in Osnabrück und Umgebung an. Neben Judo stehen Hip-Hop oder Boundless Movement, eine Art freie Gymnastik mit Tanz- und Entertainment-Elementen, auf dem Programm. Vor den Trainingseinheiten gibt‘s demnächst dann auch Demokratie-Workshops, bei denen vor allem ein Stichwort im Mittelpunkt steht: „Toleranz“. „Da sollen die Kinder auf spielerische Art lernen, anderen Weltbildern aufgeschlossen zu begegnen. Wir nennen das Ambiguitätstoleranz“, sagt Simon Ritz, der das Projekt für den SV Kompass betreut.
Und überhaupt: Demokratiebildung spielt beim SV Kompass Osnabrück eine riesige Rolle. Auch im Judo, so Trainer Sebastian Häfker: „Die Art, wie wir im Judo miteinander umgehen, wie wir auch dem Schwächeren begegnen, das ist sicher für ein demokratisches Miteinander sehr förderlich.“ Und nicht nur das: Im weiteren Verlauf des Jahres werden die Teilnehmenden in Beteiligungsprozessen Demokratie erleben. Unter anderem werden sie darin geschult, für ihre Belange gegenüber dem Vereinsvorstand einzutreten.
Der Ideenwettbewerb „Gemeinsam geht besser“ wird auf der Plattform treffpunkt verein umgesetzt und ist ein gemeinsames Projekt der Philipp Lahm-Stiftung, der Robert Bosch Stiftung, der Beisheim Stiftung und der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung. Im Sommer 2025 konnten sich Sportvereine aus ganz Deutschland mit ihren Ideen zur Verbesserung von Zusammenhalt, Teilhabe oder Mitbestimmung im Verein bewerben. Insgesamt wurde eine Fördersumme von 150.000 Euro ausgelobt.
Im Herbst 2025 legte sich eine Jury rund um treffpunkt verein-Initiator Philipp Lahm auf neun Gewinner-Vereine fest (hier ein Nachbericht zur Jury-Sitzung). Seit Anfang des Jahres 2026 setzen die Vereine nun ihre Projekte um – und wir geben regelmäßig Einblicke in die Arbeit vor Ort.