Ideenwettbewerb-Gewinner SV Hamborn: Ein Sportverein als Ankerpunkt im Viertel

25. März 2026

Im Duisburger Stadtteil Marxloh, der oft mit Problemen in Verbindung gebracht wird, setzt der SV Rhenania Hamborn ein starkes Zeichen: Der Verein zeigt, wie Sport weit mehr sein kann als Bewegung – nämlich Bildung, Integration und echte Zukunftschancen. Ein Ort, an dem Kinder nicht nur kicken, sondern wachsen.

„Wenn mein Kind in den Sportverein geht, dann sacken die schulischen Leistungen ab“, heißt es oft von Eltern im leidgeprüften Duisburger Stadtteil Marxloh. Diese Bedenken hat der Stadtteilverein SV Rhenania Hamborn aufgenommen und ins Gegenteil verkehrt. Auf dem Sportgelände genießen Kinder jetzt ein Angebot, das weit über den Fußball hinausgeht.

Wohl kaum eine Doku über in Verruf geratene Stadtviertel kommt ohne das Beispiel „Duisburg-Marxloh“ aus. Die Menschen lebten einst beinahe kollektiv vom Bergbau, von den Hochöfen. Mit dem Niedergang der Montanindustrie begann auch ein tiefgreifender Wandel in Marxloh. Der Stadtteil galt einst als das geheime „Einkaufszentrum von Duisburg“. Doch Marxloh verarmte, die Arbeitslosigkeit stieg an. Die Geschäfte zogen langsam aber sicher weg, weil die Kaufkraft schwand. So entstand billiger Wohnraum in Marxloh, den Menschen aus finanziell schwächeren Verhältnissen bezogen. Weniger Benachteiligte verließen den Stadtteil, um anderswo Arbeit zu finden.

Heute prägen verfallene, teils leerstehende Häuser an vielen Stellen das Bild. Die Arbeitslosenquote ist hoch, Kindern und Jugendlichen fehlt es oft an einer klaren Zukunftsperspektive.

Marxloh ist aber auch ein Ort der Herzlichkeit und des Zusammenhalts. Der SV Rhenania Hamborn 1949 e.V. ist ein leuchtendes Beispiel dafür, dass sich auch in schwierigen Umgebungen viel möglich ist. Denn die elterlichen Bedenken, dass sich die schulischen Leistungen ihrer Kinder verschlechtern, wenn sie statt Hausaufgaben am Schreibtisch zu erledigen auf dem Fußballfeld kicken, weiß Rhenania Hamborn bestens zu entkräften.

Der Verein bietet nicht nur qualifiziertes Training für Jungen und Mädchen aller Altersklassen an. Das Sportzentrum ist ein zentraler Bildungs- und Begegnungsort im Viertel. Für Schülerinnen und Schüler bietet Rhenania Hamborn Nachhilfe und Hausaufgabenbetreuung mit Lehrern und Lehramtsstudenten an. Außerdem Ferienangebote, von Hip Hop-Kursen bis Fußball- und Feriencamps. Im Bistro gibt es Essen und Getränke für alle, die es zwischen Schule und Training mal nicht nach Hause schaffen.

Nachhilfe-Lehrerin Fatma engagiert sich ehrenamtlich beim SV Rhenania

Das Ganze liebevoll organisiert von Ehrenamtlichen wie dem Rhenania-Vorsitzenden Cafer Kaya, Sozialarbeiter Tuncer Kalayci, den vielen Trainerinnen und Trainern, Spielerinnen und Spielern, die rund um den Verein aktiv sind. Sie stellen ein Programm zusammen, das an eine ganzheitliche Betreuung von Kindern und Jugendlichen heranreicht und getragen ist, von Respekt, wechselseitiger Toleranz und dem unbändigen Willen zum freudvollen Miteinander.

Mit Sozialarbeiter Tuncer Kalayci unterwegs in Duisburg-Marxloh

Über den Ideenwettbewerb

Der Ideenwettbewerb „Gemeinsam geht besser“ wird auf der Plattform treffpunkt verein umgesetzt und ist ein gemeinsames Projekt der Philipp Lahm-Stiftung, der Robert Bosch Stiftung, der Beisheim Stiftung und der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung. Im Sommer 2025 konnten sich Sportvereine aus ganz Deutschland mit ihren Ideen zur Verbesserung von Zusammenhalt, Teilhabe oder Mitbestimmung im Verein bewerben. Insgesamt wurde eine Fördersumme von 150.000 Euro ausgelobt.

Im Herbst 2025 legte sich eine Jury rund um treffpunkt verein-Initiator Philipp Lahm auf neun Gewinner-Vereine fest (hier ein Nachbericht zur Jury-Sitzung). Seit Anfang des Jahres 2026 setzen die Vereine nun ihre Projekte um – und wir geben regelmäßig Einblicke in die Arbeit vor Ort.