Dass Sportvereine Sport organisieren, ist schon eine Riesenleistung. Den Sportfreunden 02 aus Reutlingen reicht das jedoch nicht – sie wollen Verantwortung für ihren ganzen Stadtteil übernehmen. Getreu dem Motto unseres Ideenwettbewerbs „Gemeinsam geht besser“.
Reutlingen, Ringelbach, eine alte Kaserne. Die grauen Militärunterkünfte sind längst zu Wohnungen umgebaut. Im Quartier kommen Menschen mit Wurzeln in ganz unterschiedlichen Ländern zusammen. Viele mit Fluchtgeschichte. Um ihnen das Ankommen zu erleichtern, hat die Initiative „Hallo Nachbarn“ einen hölzernen Bauwagen bereitgestellt. Darin sitzen ein Arzt und auch eine Psychologin. Es soll ein niedrigschwelliges Angebot für Geflüchtete sein, das von ärztlicher und psychologischer Hilfe bis zur Alltagsbegleitung reicht.
Die Psychologin ist Daniela Ioanina Prisacaru. Sie kommt von den Sportfreunden 02 Reutlingen. Ihr Mann ist Alexandru Prisacaru, der Schriftführer der Sportfreunde. Dass Daniela Ioanina im Bauwagen mitarbeitet, ist Teil einer Kooperation des Vereins und der Nachbarschafts-Initiative.
Es ist nicht die einzige Zusammenarbeit der Sportfreunde 02. Der Verein ist überall im Stadtteil präsent. „Wir arbeiten mit allen wichtigen Institutionen hier zusammen. Wir haben uns überall hin vernetzt, weil wir gemerkt haben: Gemeinsam sind wir stärker. Wir profitieren voneinander“, sagt Alexandru Prisacaru.
So bieten die Sportfreunde 02 Fußballkurse für die Schülerinnen und Schüler der nahe gelegenen St.-Wolfgang-Schule an. Auf dem frisch gemähten und bestens gepflegten Vereinsgelände. In der Schule selbst organisieren die Sportfreunde Schwimmkurse für Grundschulkinder. Und für die Kreiskliniken, einem der größten Arbeitgeber der Stadt, bieten die Sportfreunde Betriebssport an.
„In den Kooperationen möchten wir als Verein soziale Verantwortung übernehmen. Wir merken aber auch: Durch die Zusammenarbeit mit der Schule, mit der Nachbarschafts-Initiative oder den Kreiskliniken kommen Menschen aus anderen Kontexten mit uns Sportfreunden in Kontakt. Das hilft uns auch, neue Vereinsmitglieder zu finden“, erklärt Alexandru, „denn ein Verein wie unserer ist auch Integrationsmotor.“
Alexandru selbst kann ein Lied davon singen. Der Ingenieur aus Rumänien ist zum Studium nach Deutschland gekommen. „In unserem Studiengang waren fast alle Inhalte auf Englisch. Also habe ich Englisch gelernt“, erinnert er sich. Im Beruf später sei aber auch Deutsch wichtig geworden. „Da sind Sprachkurse und -zertifikate sicher nicht schlecht. Aber das wirkliche, alltagstaugliche Deutsch habe ich hier im Verein bei den Sportfreunden gelernt.“
Alexandru und seine Mitstreiter füllen das Motto unseres Ideenwettbewerbes mit Leben. „Gemeinsam geht besser“ ist bei den Sportfreunden 02 Reutlingen eben nicht nur ein schön klingender Slogan. Er wird täglich gelebt. Deshalb fördert „treffpunkt verein“ sehr gerne das Engagement des Vereins.