Umfrage: Wie denken Studierende über ehrenamtliches Engagement?

26. Februar 2026

treffpunkt verein war Partner der zurückliegenden Hochschulkontaktmesse München (HOKO), für die Philipp Lahm die Schirmherrschaft übernommen hat. Während sich auf der Messe zwischen 4. und 6. November 2025 tausende junge Menschen über Jobmöglichkeiten informiert und Kontakte zu Unternehmen geknüpft haben, wollten wir wissen: Warum engagieren sich Studierende ehrenamtlich – und warum nicht? Was sind die beliebtesten Engagementfelder (z.B. Verein)? Und haben die Nachwuchsakademiker eigentlich den Eindruck, dass Unternehmen ehrenamtliches Engagement wertschätzen? Umgesetzt wurde die Umfrage mit Unterstützung der Hochschule München: Ein Projektteam um die Studierenden Berkcan Güzelocak und Katharina Able koordinierte die Durchführung der Befragung auf der HOKO und übernahm gemeinsam mit treffpunkt verein die Auswertung. Unterstützt wurden sie dabei von Prof. Dr. Stephanie Thiemichen.

Eckdaten zur Umfrage

Fragebogen, Durchführung, Stichprobe

Art der Umfrage: Quantitativer Online-Fragebogen

Art der Durchführung: Mitglieder des HOKO-Teams waren Anfang November auf der Messe mit Tablets unterwegs, um Studierende zu befragen. Nach Ende der HOKO konnte man noch für knapp vier Wochen online an der Umfrage teilnehmen. Die meisten Umfrage-Teilnehmenden wurden auf der HOKO rekrutiert.

Stichprobe: 838 befragte Studierende im Alter von 16 bis 30 Jahren, 83 Prozent der Befragten wohnen in München oder im Münchner Umland

Ergebnisse

Grafiken und Erläuterungen zu zentralen Befunden

1. Engagement-Status

„Bist Du aktuell ehrenamtlich aktiv?“

Etwas weniger als die Hälfte der Befragten engagiert sich ehrenamtlich (rund 48%, also 398 Befragte). Davon engagieren sich wiederum zwei Drittel (66%) innerhalb eines Vereins. Vereine sind demnach die beliebtesten Orte für das ehrenamtliche Engagement Studierender.

2. Motivation und Engagement

„Welche Motivation steckt hinter Deinem Engagement?“ (Mehrfachantworten möglich)

Für fast drei Viertel (71%) der Befragten, die sich engagieren, steckt hinter ihrem Engagement – egal, ob im Verein oder außerhalb – der „Spaß und die Freude an der Tätigkeit“. Auch der soziale Aspekt, dass man sich im Ehrenamt als Teil einer Gemeinschaft fühlt, ist für die Befragten sehr wichtig (42%).

3. Attraktivität ehrenamtlichen Engagements

„Was macht deiner Meinung nach ein ehrenamtliches Engagement/eine ehrenamtliche Aufgabe attraktiv?“ (Mehrfachantworten möglich)

Die Möglichkeit, sich persönlich weiterzuentwickeln, macht sowohl für die bereits Engagierten als auch für die Nicht-Engagierten die Attraktivität des Ehrenamts aus: Mit 38 Prozent wurde diese Antwortoption am häufigsten gewählt. Auch ein hohes Maß an zeitlicher Flexibilität ist den Befragten wichtig (32%).

4. Gründe, warum man sich nicht engagiert

„Was hindert Dich an einem freiwilligen Engagement?“ (Mehrfachantworten möglich)

Mehr als drei Viertel der Personen, die sich aktuell nicht engagieren, geben an, dass sie zu wenig Zeit bzw. andere Verpflichtungen haben und deshalb kein Ehrenamt übernehmen können. Jeweils knapp ein Viertel gibt an, zu wenig Informationen über die Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren, zu haben bzw. kein passendes Ehrenamt gefunden zu haben.

5. Arbeitgeber und ehrenamtliches Engagement

a) Aktive Förderung durch Arbeitgeber

„Ich habe allgemein den Eindruck, dass Arbeitgeber das ehrenamtliche Engagement ihrer Angestellten aktiv fördern.“

Die Mehrheit der Befragten (56%) hat nicht den Eindruck, dass Arbeitgeber das ehrenamtliche Engagement ihrer Angestellten aktiv fördern.

b) Wertschätzung durch Arbeitgeber

„Ich habe allgemein den Eindruck, dass ehrenamtliches Engagement von Arbeitgebern positiv betrachtet und wertgeschätzt wird.“

Eine deutliche Mehrheit der Befragten (76%) hat den Eindruck, dass Arbeitgeber das ehrenamtliche Engagement ihrer Angestellten positiv betrachten und wertschätzen. Unter denjenigen, die den Eindruck haben, dass dies nicht zutrifft (24%), finden sich viele nicht-engagierte Personen: 62% der Befragten, die die Aussage ablehnen, fallen in diese Kategorie (nicht in der Grafik zu sehen). Unter denjenigen, die der Aussage zustimmen, macht der Anteil der Nicht-Engagierten nur 50% aus.

6. Erwerb karriereförderlicher Kompetenzen im Ehrenamt

„Ich erlerne im Ehrenamt Fähigkeiten, die karriereförderlich sind.“

Im Vergleich zu ehrenamtlich Engagierten außerhalb eines Vereins haben Engagierte im Verein nochmal mehr den Eindruck, dass sie bei dieser Tätigkeit karriereförderliche Kompetenzen erwerben (80% vs 89%). Insgesamt ist die Zustimmung zur Aussage unter den knapp Befragten, die sich engagieren, sehr hoch.

7. Bereitschaft, sich zukünftig ehrenamtlich zu engagieren

„Ich kann mir vorstellen, in Zukunft ehrenamtlich aktiv zu werden.“

82% der Nicht-Engagierten können sich vorstellen, sich zukünftig zu engagieren.

Zusammenfassung

Knapp die Hälfte der im Rahmen unserer Umfrage befragten Münchner Studierenden ist ehrenamtlich engagiert, wobei zwei Drittel von ihnen ihr Engagement im Verein ausüben. Antrieb hinter dem ehrenamtlichen Engagement der Studierenden ist die Freude an der Tätigkeit, aber auch soziale Aspekte (Gemeinschaftserfahrung) und die Möglichkeit, sich persönlich weiterzuentwickeln spielen eine wichtige Rolle. Ganz generell – also auch für die Befragten, die sich aktuell nicht engagieren – macht die Möglichkeit der persönlichen Weiterentwicklung das Ehrenamt attraktiv. Wenn man berücksichtigt, dass über 80 Prozent der Engagierten den Eindruck haben, dass sie im Rahmen ihrer Tätigkeit karriereförderliche Kompetenzen erwerben, scheint dies ein wichtiger Mehrwert des Ehrenamts zu sein.

Insgesamt gibt es in der Gruppe der Münchner Studierenden mit Blick auf ehrenamtliches Engagement noch einiges an Potenzial zu heben. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten engagiert sich aktuell nicht. Drei Viertel geben an, dass ihnen hierfür schlichtweg die Zeit fehlt bzw. dass sie andere Verpflichtungen haben. Allerdings begründet auch ein Viertel der Nicht-Engagierten die aktuelle Situation damit, zu wenig Informationen über die Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren, zu haben bzw. bislang kein passendes Ehrenamt gefunden zu haben. Da sich 82 Prozent der Nicht-Engagierten vorstellen können, sich zukünftig zu engagieren, geht es genau darum: Man muss die dem Ehrenamt gegenüber positiv eingestellte Gruppe besser mit Informationen zum Thema Ehrenamt versorgen. Auch dass Arbeitgeber noch stärker als bisher signalisieren, dass sie ehrenamtliches Engagement ihrer Angestellten wertschätzen oder sogar aktiv fördern, scheint ein guter Hebel, um weiteres Potenzial zu heben und mehr Studierende zur Übernahme eines Ehrenamts zu motivieren.