Schweiß, Schläge und jede Menge Respekt: Im Avanti-Gym von Ideenwettbewerb-Gewinner Athletic Sonnenberg trainieren Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen gemeinsam Muay Thai oder Mixed Martial Arts. Dabei geht es um weit mehr als Kampfsport – im Training wie in begleitenden Workshops geht es um Empowerment, Resilienz und Gemeinschaft.
Ein dumpfer Schlag. Ein knallender Punch. Schweiß tropft auf die Matten. Fäuste schnellen nach vorn, Schienbeine prallen auf Schlagpolster. Für einen Moment wirkt Kampfsport wie der letzte Ort, an dem es um Mitgefühl gehen könnte. Doch kaum ist die Runde im Avanti-Gym in Chemnitz-Sonnenberg vorbei, reichen sich die Trainingspartner die Hand. „Alles okay?“, fragt der eine. Die andere nickt, lächelt. Hier, wo Männer und Frauen Muay Thai, Mixed Martial Arts und BJJ mit voller Leidenschaft trainieren, zählt am Ende nicht nur, wer den Kampf gewinnt. Sondern vor allem, wie man seinem Gegenüber begegnet. Respekt, Zusammenhalt und Toleranz sind bei Athletic Sonnenberg keine Schlagworte – sie sind Teil jeder Trainingseinheit.
Und so macht das Training die Frauen und Männer der Kampfsport-Abteilung von Athletic Sonnenberg resilient: „Das Training gibt mir psychische und physische Stabilität“, sagt Mitglied Tabea. “Empowerment, Gemeinschaft und immer neue Herausforderungen“, sind für ihre Trainingspartnerin Samira die wichtigsten Aspekte des Trainings.
Athletic Sonnenberg möchte mit seinem Kampfsport-Angebot eine Botschaft vermitteln: „Wir zeigen, dass Kampfsport nicht voller Brutalität und Aggression sein sollte. Sondern es geht uns vor allem um ein respektvolles Miteinander “, sagt Klara, die das Projekt, das aktuell aus Mitteln des Ideenwettbewerbs gefördert wird, mitentwickelt hat. Und man merkt es beim Zuschauen: Hier wird immer aufeinander Rücksicht genommen, man fragt nach, kümmert sich um seinen Trainingspartner oder seine Trainingspartnerin.
Klara Behner (rechts) hat das Kampfsport-Projekt bei Athletic Sonnenberg mitentwickelt.
Das Avanti-Gym soll vor allem auch ein Wohlfühl-Ort für Menschen sein, die z.B. wegen ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Migrationsgeschichte oft Ausgrenzung erfahren haben. „Alle sind bei uns willkommen. Und am meisten Spaß macht es mir dann zu sehen, wenn jemand auch bei uns Fuß fasst und dabei bleibt. Dadurch entsteht eine richtig tolle Gemeinschaft. Und auch Freundschaften“, sagt Klara.
Die Kampfsport-Abteilung von Athletic Sonnenberg leistet wertvolle, integrative Arbeit im Stadtteil. Ergänzend zu den Trainings gibt es Workshops und Dialogformate. Menschen aus verschiedenen Generationen, Lebensrealitäten und Kulturen sollen im Avanti-Gym zusammenkommen, damit Vorurteile abgebaut werden können und man voneinander lernt – eine Vision, die treffpunkt verein gerne unterstützt.
Der Ideenwettbewerb „Gemeinsam geht besser“ wird auf der Plattform treffpunkt verein umgesetzt und ist ein gemeinsames Projekt der Philipp Lahm-Stiftung, der Robert Bosch Stiftung, der Beisheim Stiftung und der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung. Im Sommer 2025 konnten sich Sportvereine aus ganz Deutschland mit ihren Ideen zur Verbesserung von Zusammenhalt, Teilhabe oder Mitbestimmung im Verein bewerben. Insgesamt wurde eine Fördersumme von 150.000 Euro ausgelobt.
Im Herbst 2025 legte sich eine Jury rund um treffpunkt verein-Initiator Philipp Lahm auf neun Gewinner-Vereine fest (hier ein Nachbericht zur Jury-Sitzung). Seit Anfang des Jahres 2026 setzen die Vereine nun ihre Projekte um – und wir geben regelmäßig Einblicke in die Arbeit vor Ort.